Review: Irie Miah & The Massive Vibes – Crime On Humanity
Publiziert am 29. Oktober 2010 von Oleejah.de
“Als gerade mal eine Handvoll Bands in Deutschland am Reggaefieber erkrankten, gehörte Irie Miah auch dazu.
Nach seinem Engagement in der Band Provibes scharrte er sich ein Häufchen Musiker um sich, um fortan unter
dem Namen Irie Miah & The Massive Vibes die Republik mit authentischen Reggae, Ska und Dancehall zu
beschallen. Das erste Ergebnis dieser musikalischen Zusammenkunft war die CD „Nature Strikes Back“ (1997),
gefolgt von „In The Fire“ (2000). Fast zehn Jahre später folgte 2009 das aktuelle Album „Crime On Humanity“.
Tracklist
01. Partytime
02. Ska No. One
03. Immer in Bewegung
04. What’s Going On
05. What Else
06. E Minor Skank
07. Crime On Humanity
08. Bicycle Ride
09. Big Bamboo
10. What A World
11. Smoking Society
12. Youthman
13. Ska No. One (Instrumental)
14. Sun Rise And The Sun Sets
Auf “Crime On Humanity” gibt es von Roots über traditionellen jamaikanischen Ska und Ragga bis Dancehall
fast jede Spielart, die das Genre Reggae beherbergt. Beim ersten Hören des Albums fühlte ich mich einige Jahre
zurückversetzt. Spontan kamen mir der druckvolle Roots Reggae Ragga Sound der I-Shen Rockers wieder ins
Gedächtnis. Daraufhin verlor ich mich in Gedanken an alte Zeiten. Spätestens beim „E Minor Skank“ ertappte ich
mich dabei, dass ich schon seit kurzer Zeit mit dem Oberkörper gleichmäßig zur Musik vor- und zurückwippte.
Unweigerliche Schlussfolgerung: Irie Miah & The Massive Vibes sind als kleine Kinder in einen Reggae-Trank
gefallen, der von den Genregrößen persönlich gebraut worden sein muss. Die Riddims kommen zwar stellenweise
etwas minimalistisch daher, aber sie sind so “tight“ eingespielt und dezent mit klanglichen Sahnehäubchen
versehen, dass einem unweigerlich die Spucke wegbleibt. Irie Miahs Stimme legt sich nahezu perfekt auf die
Riddims.
Die Texte sind zum größten Teil in Patois gehalten. Hier und da schleicht sich die deutsche Sprache dazu.
Wenn jetzt wieder jemand denkt, dass Patois von aus dem Kehlkopf eines deutschsprachigen Musikers
unästhetisch klingt, der wird auf „Crime On Humanity“ eines besseren belehrt. Die Texte behandeln nicht
ausschließlich die typischen Reggae-Themen. Auf das Preisen von Jah wird ganz verzichtet. Es wird lieber direkt
und ehrlich von Themen gesungen, die die Menschen direkt betreffen. Thematisch ist von Party wie im Tune
„Partytime“ über sinnloses Morden wie im Song „Crime On Humanity“ alles dabei.
Gastauftritte von anderen Sängern oder Musikern gibt es zwar keine, was sich jedoch nicht negativ auf das
Hörvergnügen auswirkt. Ganz im Gegenteil: Stattdessen schafft es „Crime On Humanity“ sich ganz auf die
musikalische Bandbreite einer Band zu konzentrieren. Ein weiterer positiver Aspekt ist das Booklet des Albums
und darin enthaltenen Songtexte. Heutzutage ist es ja nicht mehr üblich, Songtexte ins Booklet zu schreiben,
da dies bei der CD Produktion im Presswerk wieder ungemütlich auf den Geldbeutel schlägt.
Dafür gibt’s ein extra Big up!
Fazit
Soundtechnisch ist „Crime On Humanity“ auf ganzer Linie eine einwandfreie und stimmige Produktion. Die Texte
und Irie Miahs stimmliche Performance überzeugen. Stilistisch wird eine gute Bandbreite vieler Spielarten
jamaikanischer Musik geboten. Von Langeweile nicht die geringste Spur. Ich habe lange Zeit mehr keine
uneingeschränkte Kaufempfehlung gegeben, aber bei „Crime On Humanity“ ist sie zu hundert Prozent
gerechtfertigt. Wer meint, ich lobe diese Platte zu hoch, der solle sie sich erst selbst in Ruhe anhören.
“Crime On Humanity” ist bereits am 18.12.2009 bei Gemelo Records erschienen.”
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